

Gemeinschaft, Gemeinsinn und Gemeinwohl stehen im Fokus des diesjährigen Dear Future Festivals in Dresden. Festivalkoordinatorin Siv-Ann Lippert eröffnet das Symposium im Kulturpalast Dresden. Nach ihr sprechen die Direktorin der Städtischen Bibliotheken Dresden Marit Kunis-Michel und Christian Bärisch vom Festival-Team. Höhepunkt des Abends ist ein Vortrag des Wissenschaftsjournalisten Ulrich Schnabel.
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The transcription is about the Your Future Festival in Dresden, which focuses on sustainability. The festival has a long tradition and involves a network of initiatives, companies, and projects that contribute to the program. The speaker emphasizes the importance of collective efforts in promoting sustainability and highlights the progress made in raising awareness about the topic. The director of the city libraries also speaks about their commitment to sustainability and the initiatives they have implemented, such as a seed library and a library of things. The festival theme this year is "Together Big," emphasizing the need for collective action to address global challenges. Your Future, da geht es um unsere Zukunft. Ihr hört Colorado, das freie Radio aus Dresden. Wir senden heute fĂ¼r euch aus den Kulturenperlen in Dresden. Dort läuft gerade das Your Future Festival. Da dreht sich alles um Nachhaltigkeit. Gleich hört ihr eine der Eröffnungsreden von Yves-Anne Abt. Herzlich willkommen im Your Future Festival in diesem Jahr, in diesem wunderschönen Haus. Ich darf euch alle recht herzlich begrĂ¼ĂŸen, auch im Namen des Hauses, der Zentralbibliothek und den städtischen Bibliotheken Dresden. Und natĂ¼rlich auch recht herzlich begrĂ¼ĂŸe ich unsere Gäste an den Bildschirmen. Wir streamen diese Veranstaltung live, sodass auch die Personen, die heute nicht hierher kommen konnten, dabei sein können. Ein kleiner Hinweis an dieser Stelle schon mal. Wir möchten euch gerne auch aktiv nachher mit in den Raum holen, also euch beteiligen, passend auch zum Thema zusammen. Wir wollen gemeinsam hier auch ein Bild heute erstellen. Von daher macht es Sinn, dass ihr das Internet an euren Handys jetzt schon mal aktiviert. Der Empfang hier im Raum ohne aktiviertes Internet ist relativ schlecht. Aber das Haus stellt ein kostenfreies WLAN zur VerfĂ¼gung. Also aktiviert das bitte schon mal. Und wenn ihr noch weiter auf unsere Veranstaltung geht, die jetzt gerade stattfindet, könnt ihr sogar schon auf den Slido-Link gehen. Da habt ihr dann die direkte Beteiligungsoption vor Ort. Und wie es dann weitergeht, erfahrt ihr später. Also ganz kurz zum Festival. Es ist jetzt schon das 15. Dresdner Nachhaltigkeitsfestival, das stattfindet. Also es hat mittlerweile eine längere Tradition. In den ersten 13 Jahren ist es einigen von euch vielleicht noch als Omundo-Festival bekannt. Und seit zwei Jahren ist es jetzt das Dear Future Dresdner Nachhaltigkeitsfestival. In diesem Jahr haben wir ganze 55 Initiativen, Unternehmen, Projekte, die das ganze Festivalprogramm zusammen ausrichten. Also es ist ein groĂŸes Netzwerk an nachhaltigen Personen oder an Personen, die nachhaltig aktiv sind, die das ganze Festival ausgestalten. Also es sind nicht nur wir, die ihr jetzt hier gerade seht, sondern es ist ein groĂŸes gemeinsames Unternehmen, was wir hier machen. Und was 45 Veranstaltungen in neun Tagen auf unterschiedliche BĂ¼hnen hier in Dresden bringt. Und passend zum Fokus, zusammen groĂŸ, ihr seht es dort am Bildschirm und auch rĂ¼ckblickend auf die vergangenen Jahre, in der Bildungsarbeit fĂ¼r nachhaltige Entwicklung ist es mir wichtig nochmal deutlich zu machen, dass gemeinsam mit all den Menschen, die weltweit fĂ¼r mehr Nachhaltigkeit, fĂ¼r eine gerechtere und ökologischere Welt kämpfen und dabei teilweise ihr Leben riskieren, das haben wir sehr eindrĂ¼cklich auch in einigen Veranstaltungen in dieser Woche schon gesehen. Mit all diesen Menschen haben wir es geschafft, dass das Thema Nachhaltigkeit mittlerweile im Mainstream angekommen ist. Denn das ist tatsächlich ein groĂŸer Unterschied. Ich habe angefangen 2009 mich beruflich mit diesem Thema zu beschäftigen und da musste ich sehr oft noch erklären, was ist das Ă¼berhaupt, Nachhaltigkeit? Klimawandel? Hä? Nee, ach Quatsch, das ist doch irgendeine Idee. Also es ist wichtig auch anzuerkennen und zu sehen, dass gemeinsam mit all diesen Personen, die sich schon lange dafĂ¼r einsetzen, die Bildungsarbeit oder auch auf anderen Ebenen dafĂ¼r kämpfen, dass das Thema sichtbar ist und jetzt eben wirklich im Mainstream, das ist meine Einschätzung, aber ich hoffe ihr teilt das, angekommen ist. Ja und das bringt mich zu dem Punkt, dass ich eigentlich auch dieses Bild des Flaschenhalses sehr mag. Sagen möchte ich damit, dass ich dieses Bild vor Augen habe, dass wir gerade in dieser Art von Flaschenhals stecken, der gerade sehr eng ist, der sich unbequem anfĂ¼hlt, wo man die Gedanken um den Kopf hat, oh Gott, passiert jetzt endlich was bei diesen Themen, die uns beschäftigen? Und wir wissen nicht, vielleicht ist morgen der Zeitpunkt schon erreicht, wo es ein groĂŸes Ploppen macht und bestimmte Dinge, die wir heute oder gestern noch fĂ¼r unmöglich gehalten haben, plötzlich Wirklichkeit und Realität sind. Daher möchte ich diesen Moment nutzen, um all den Beteiligten zu danken, die es möglich gemacht haben, das Festival auf die Beine zu stellen und eben zum Wandel beizutragen. Also all die Beteiligten, die KooperationspartnerInnen, mit denen wir das Festival auf die Beine stellen, die ehrenamtlichen UnterstĂ¼tzerInnen, das Team, die Förderer und auch die Sponsoring-Partner, die uns teilweise schon sehr, sehr lange unterstĂ¼tzen und ein groĂŸes Vertrauen in unsere Arbeit stecken. Ihr seht sich ja auch nochmal aufgelistet, denn ohne all diese Beteiligten wäre das, was ihr und wir hier heute erleben, nicht möglich. An dieser Stelle auch eine groĂŸe Bitte an euch, wenn es euch möglich ist und wenn es euch gefallen hat, diese Veranstaltung heute, dann lasst gerne auch eine Spende da. Die Spendenbox steht drauĂŸen am Einlass. Wir sind gefördert, das seht ihr hier, aber 10% unserer Einnahmen mĂ¼ssen wir Ă¼ber Spendengelder generieren. Von daher ist es sehr wichtig fĂ¼r uns auch, dass ihr, wenn es euch möglich ist, etwas da lasst. Und dieses Geld, was ihr spendet, geht zu 100% in unsere Bildungsarbeit fĂ¼r nachhaltige Entwicklung. Und da komme ich ganz kurz auf den Projektträger des Festivals zu sprechen. Ihr seht ganz links ein Projekt von Zukunftsgestalten e.V. Das ist der Verein, der gemeinnĂ¼tzige Verein, der dahinter steht und sehr viele Projekte im Bereich der Bildung fĂ¼r nachhaltige Entwicklung umsetzt. Also das grĂ¶ĂŸte Projekt ist das Festival hier, aber wir sind auch an der Volkshochschule mit Seminaren unterwegs. Wir geben Veranstaltungen in Schulen, WeiterfĂ¼hrenden oder Grundschulen zum Thema Klimawandel. Wir machen Bildungsreisen zum Beispiel zum Futurium nach Berlin. Und eine Tour der Utopien, eine Radtour an utopische Orte immer wechselnd in der Stadt. Also eine breite Palette, wo wir versuchen, das Thema Nachhaltigkeit immer wieder sichtbar zu machen und zu bespielen. Das Festivalprogramm geht noch bis Samstag in diesem Haus. Von daher nochmal die Aufforderung, schaut gerne nochmal in das Programm. Es sind sehr, sehr schöne Programmpunkte, auch die folgenden zwei Tage mit dabei. Lasst euch inspirieren, vielleicht ist etwas dabei, was euch noch gefällt. Kommt gerne wieder. FĂ¼r jeden ist Inspiration ja auch immer etwas anderes. Also fĂ¼hlt euch frei, auch das rauszusuchen, was euch begeistert. Ich fĂ¼r meinen Teil zum Beispiel genieĂŸe es sehr, in der Vorbereitungszeit des Festivals durch die ganze schöne Literatur zu stöbern und zu schauen, was gibt es fĂ¼r Impulse zu dem Thema. Und ich kann euch versprechen, es gibt in jedem Jahr sehr, sehr tolle Literatur zu diesem Thema. Und ein Autor eines oder mehrerer sehr schöner BĂ¼cher werden wir nachher auf der BĂ¼hne erleben. Eine andere Autorin möchte ich gerne jetzt nochmal ganz kurz in den Fokus nehmen. Ein Buch, das mich in der Vorbereitung sehr inspiriert hat und zwar, oh jetzt liegt es noch da, Entschuldigung, ganz kurz, von der BĂ¼hne, von Annette Kehnel, Wir konnten auch anders, ein sehr schönes Buch und ich erwähne es deshalb, weil es mich inspiriert hat in Bezug auf, ja ihr seht es eigentlich am Titel, Wir konnten auch anders, weil sie sehr, sehr detailliert untersucht hat, wie Nachhaltigkeit in der Zeit des Mittelalters tatsächlich schon passiert ist. Dass es dort schon viele Dinge gab, die wir einfach verlernt haben. Ein kleines Beispiel aus ihrem Buch sind die Monti di Pieta. Das sind Banken, die in Italien vom 15. bis teilweise ins 20. Jahrhundert hinein das Ziel hatten, mit ihren Gewinnen einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen. Also bedĂ¼rftige und auch gemeinnĂ¼tzige Projekte zu fördern. Und das ist etwas, was wir heute mit den wenigen ethischen oder gemeinwohlorientierten Banken kennen, aber die fĂ¼r uns noch eher als Nische existieren, aber da zu dem Zeitpunkt tatsächlich schon eine sehr, sehr groĂŸe und starke Verbreitung hatten. Das fand ich sehr, sehr beeindruckend und auch die Mitbestimmung von Frauen, die sich hier sehr stark in ihrem Buch nochmal ausbaut und sehr intensiv untersucht hat, war nach ihren Recherchen weitaus stärker ausgeprägt, als es zumindest meinem bisherigen Bild von der Rolle von Frauen im Mittelalter entsprach. Also sehr beeindruckend und ich hoffe, dass wir wieder zurĂ¼ckkehren können zu vielen Werten, die sie dort auch beschreibt und die eine nachhaltige Welt ausmachen. Ja und weil wir an diesem schönen Ort sind, weil ich gerade von BĂ¼chern gesprochen habe, ein kurzer Hinweis vorne am Einlass, ihr habt es vielleicht schon gesehen, beziehungsweise wenn ihr hier gleich rauskommt, gibt es einen BĂ¼chertisch mit ausgewählter Literatur, passend zum Thema. Schaut euch gerne um. Das sind BĂ¼cher einer lokalen Buchhandlung. Auch ganz wichtig, liegt uns am Herzen. Genau, schaut gerne mal und stöbert und nehmt gerne etwas mit. Ja und weil ich gerade eben von BĂ¼chern und diesem Ort sprach, möchte ich gerne noch kurz erwähnen, dass es uns schon sehr, sehr lange ein Herzensanliegen war, in Kooperation mit den städtischen Bibliotheken die Konferenz auszugestalten. Und in diesem Jahr ist es endlich wahr geworden und ich darf auch verraten, dass die Zusammenarbeit wunderbar war. Also ein groĂŸer Dank an dieser Stelle an Odile Wassers und Karin Schoppe, mit denen wir sehr, sehr intensiv an den Inhalten des Programms gefeiert haben. Und ich möchte sagen, dass das eine sehr, sehr befruchtende Zusammenarbeit fĂ¼r beide Seiten war. Und ebenso auch ein sehr groĂŸer Dank an Marit Kunis-Michel, durch welche die Zusammenarbeit und die Tatsache, dass wir hier in diesen drei Tagen diesen schönen Ort bespielen können, erst möglich geworden ist. Marit, du hast gerne die BĂ¼hne fĂ¼r dich. Danke euch, danke dir, dass wir hier sein dĂ¼rfen. Ihr hört das Festivalradio zum Dear Future Festival aus der Zentralbibliothek in Dresden. Hier dreht sich alles um Nachhaltigkeit. In diesem Jahr liegt der Fokus auf Gemeinschaft, Gemeinwohl und Gemeinsinn. Gerade habt ihr die Festivalkoordinatorin Sifan Lippert gehört. Jetzt spricht Marit Kunis-Michel, die Direktorin der städtischen Bibliothek in Dresden. Die Veranstaltung haben wir am 11. Mai 2023 im Kulturpalast aufgenommen. Ich darf mich bedanken, dass ihr zu Gast seid und ich möchte gern beim Wir und Ihr gerne bleiben. Herzlich willkommen in der Zentralbibliothek und ich sehe hier viele Gesichter, die ich sonst gar nicht so oft bei uns sehe. Das sind dann die Synergieeffekte, die eine Bibliothek hat, wenn man ein Festival mit neuen und liebgewonnenen KooperationspartnerInnen gestaltet. Leihen statt Kaufen und Nachhaltigkeit lebt eine öffentliche Bibliothek mit GrĂ¼ndung. Die städtischen Bibliotheken Dresden haben 1879 die erste Bibliothek aufgemacht. Also 1875 die erste Volksbibliothek und 1879, das ist unser GrĂ¼ndungsjahr sozusagen. Insofern nachhaltig von Anfang an, aber was heiĂŸt Nachhaltigkeit heute fĂ¼r eine öffentliche Bibliothek? Ich kann sagen, dass ich ein wunderbares Team habe an MitarbeiterInnen, die von sich aus zur Direktion gekommen sind und gesagt haben, ja hallo, jetzt ist aber mal ein bisschen mehr Tatentrank in Richtung Nachhaltigkeit. Was können wir tun? Wir haben also 2015, waren so die ersten drängenden Kollegen da, 2017 sind wir hier in dieses Haus eingezogen. Insofern ist die Zentralbibliothek ein bisschen jĂ¼nger als euer Festival, das gibt es schon. Wir sind hier eingezogen und haben gesagt, mitten in der Stadt. Und Sie werden es nicht glauben, 2017, als ich hier die Leitung Ă¼bernommen habe, waren die Hauptfragen von NutzerInnen, wo gibt es einen Parkplatz? Und da habe ich gesagt, Sie brauchen ja keinen Parkplatz, wir haben direkt davor eine Haltestelle. Wir haben auch am Postplatz und am Pörnerischen Platz eine Haltestelle. Und die Diskussion endete spätestens ein halbes Jahr nach Eröffnung der Zentralbibliothek. Und jetzt habe ich Fragen, wo kann ich mein Fahrrad sicher abstellen, weil die FahrradbĂ¼gel nicht halten. Also insofern eine wunderbare Veränderung, auch eine Sensibilisierung, was zum Beispiel das Thema Mobilität in der Stadt angeht. Ich kann Ihnen berichten, dass wir die Corona-Zeit genutzt haben, intensiv darĂ¼ber nachzudenken, was wir noch besser machen können, was wir verändern können. Und 2021 hatten wir zwar teilweise geschlossen, aber wir haben hier im groĂŸen Abstand und mit Maske da gesessen und haben uns dem Prozess Culture for Future gewidmet. Mit Profis zusammengearbeitet und wirklich reflektiert geschaut, wie ändern wir Abläufe in der Bibliothek. Was können wir noch besser machen? Heraufgekommen ist eine Charta 2022 im Januar von fĂ¼nf Kultureinrichtungen in Dresden unterschrieben, unter anderem auch von der Dresdner Philharmonie, vom Stadtmuseum. Und wir als Bibliothek waren mit dabei. Jetzt ist es ja leicht, was zu unterschreiben und zu sagen, dafĂ¼r stehe ich, das kann ich mir schön an die Wand hängen. Aber nein, wir haben einen MaĂŸnahmenkatalog und den setzen wir StĂ¼ck fĂ¼r StĂ¼ck um. Ăœber LED-Umstellung, Lampen reden wir schon gar nicht mehr. Das haben wir einfach schon gemacht. Wir haben jetzt endlich demnächst ein Lastenfahrrad zur VerfĂ¼gung, was wir Ă¼ber Frieda Friedrich die Plattform ausleihen werden. Wir haben während der Corona-Zeit eine Saatgut-Bibliothek geöffnet. Das war 2021 so ein bisschen in der Regenbogenpresse so ein Sommerloch und man berichtet nie groĂŸ drĂ¼ber. Man macht sich ein bisschen lustig. Ich erinnere mich noch an die Schlagzeile, wird der Kulti jetzt Samenbank? Aber es war so hilfreich, diese etwas andere Schlagzeile, dass wir deutschlandweit Saatgut in Paketen geschickt bekommen haben von alten Sorten, die gesagt haben, ja, das finde ich eine richtig gute Idee. Ihr sammelt das und ihr verteilt das wieder und so teilen wir und so haben wir eine Gemeinschaft Ă¼ber die Stadtgrenze hinaus. Und ja, diese Saatgut-Bibliothek gibt es auch heute noch und die gibt es nur, weil wir im Herbst wieder aufrufen, neues Saatgut uns vorbeizubringen. Und dieses Jahr, liebe Karin, wir haben glaube ich 1500 Saatgut-TĂ¼tchen gepackt oder die waren in anderthalb Wochen weg. Jeder darf zwei solcher Saatgut-TĂ¼tchen bei uns kostenfrei mitnehmen. Man muss nicht mal einen Bibliotheksausweis haben, weil das darf man nämlich auch nicht vergessen. Die öffentlichen Bibliotheken sind fĂ¼r jeden und jede offen. Man muss nicht mal einen Ausweis haben. Aber es ist schön, wenn man angemeldet ist, dann kann man sich so tolle BĂ¼cher, wie sie Anja jetzt vorgestellt hat, bei uns ausleihen. Also das ist etwas, was sehr gut läuft und auch nochmal zeigt, was fĂ¼r eine Gemeinschaft wächst und wie eine Gemeinschaft wachsen kann. Wir haben auch eine Bibliothek der Dinge. Ja, wir leihen Gitarren aus, wir leihen Verstärker aus, wir leihen eine Slackline aus und wir leihen auch eine Diskokugel aus. Weil man nicht alles kaufen muss, sondern man kann auch erstmal was ausprobieren. Man kann mal ausprobieren, auf einer Ukulele zu spielen und dann entscheiden, ich möchte lernen, dieses Instrument richtig zu spielen. Und vielleicht fragen Sie sich jetzt, was machen Bibliotheken noch alles? Ja, wir haben noch das gute Buch und das wird auch bei uns bleiben. Wir haben hier allein im Haus 300.000 BĂ¼cher, die wir zur VerfĂ¼gung stellen zum Ausleihen. Also es geht immer weiter, wir sind gut dabei. Aktuell ermitteln wir unseren CO2-FuĂŸabdruck und wir sind da sehr genau. Wir machen nicht nur Scope 1 und 2, fĂ¼r die, die da ein bisschen Bescheid wissen. Wir gehen auch in Scope 3 rein und fragen uns, wie kommen zum Beispiel unsere Besucherinnen zu uns und wie kommen sie wieder weg? Und wir möchten auch unsere Mitarbeiterinnen fragen, wie kommt man zu uns? Und ich kenne schon so ziemlich die Antwort, weil wenn ich mal später komme, kriege ich keinen Parkplatz mehr fĂ¼r mein Fahrrad. Insofern sind wir unterwegs. Wir schärfen auch unseren Blick. Wir wechseln gern mal die Perspektive. Wir reflektieren und wir sind sehr, sehr dankbar fĂ¼r Impulse von auĂŸen. Und als solchen nehme ich auch dieses Festival hier wahr. Denn lebenslanges Lernen und Bibliothek gehört auch zusammen. Und nicht nur wir vermitteln Wissen, sondern wir lernen auch selber als Mitarbeiterinnen sehr gut und sehr viel dazu. Und das soll dazu fĂ¼hren, dass wir unser Handeln genauso reflektieren. Zum Thema Wissen teilen. Von mir aus erlauben Sie mir die besondere Einladung, am 13.05. hier zu sein. Und insbesondere an die, die uns jetzt digital noch verfolgen. Am 13.05. fahren noch ZĂ¼ge. Man kann ja auch das Deutschland-Ticket nutzen. Es ist noch nicht Sonntag, wo gestreikt wird. Es gibt hier nicht nur eine tolle Veranstaltung, aber ich muss es einfach mal sagen. Meine Kollegin Frau Atzenbeck, die Leiterin der Zentralbibliothek, fĂ¼hrt durch diese jenen Räume hier unter dem Motto von der LeihbĂ¼cherei zur Bibliothek der Dinge. Und ich verspreche Ihnen, dass alle, die irgendwann in der siebten Klasse das letzte Mal mit der Deutschlehrerin in einer Bibliothek waren und zu Faust 1 oder 2 recherchieren mussten, total Ă¼berrascht sein werden, was aus öffentlichen Bibliotheken werden kann. Und kommen Sie vorbei, lassen Sie sich Ă¼berraschen. Und was Sie noch alles besuchen sollen, da wird jetzt Christian noch was dazu sagen. Und von mir aus nochmal ein herzliches Willkommen bei uns. Ihr hört Coloradio, das freie Radio fĂ¼r Dresden, mit dem Veranstaltungsradio zum Dear Future Festival. Gerade habt Ihr die Direktorin der städtischen Bibliotheken, Marit Kunnes-Michel, gehört. Und jetzt hört Ihr Christian Berisch vom Dear Future Festival Team. Ja, vielen Dank fĂ¼r die schönen Worte. Und ja, hallo, guten Abend. Ich habe die Aufgabe, vielleicht so ein wenig in das Thema heranzufĂ¼hren, auch, was wir in diesem Jahr gewählt haben, zusammen groĂŸ. Laut der Titel, ja, die Geschichte dazu ist vielleicht mehr oder weniger recht trivial. Ich habe irgendwann mal ein Lied von Fantastischen Vier gehört. Und Closur, vielleicht kennt das jemand. Das hat mich irgendwie sehr inspiriert. Hat einen tollen Text gehabt und war irgendwie sehr, sehr belebend. Und dort kam die Textstelle zusammen groĂŸ vor. Und genau, da haben wir uns irgendwie drauf verständigt und gesagt, okay, das mĂ¼ssen wir mal machen. Aber nicht nur deswegen natĂ¼rlich, sondern weil wir auch in den letzten Jahren immer wieder festgestellt haben, in unseren Veranstaltungen, in unserem Festival, dass viele Leute das Thema Nachhaltigkeit bewegt. Also das ist im Alltag so präsent auch und wird immer präsenter. Aber doch in gewisser Hinsicht auch eine Ratlosigkeit da ist. Also wir haben oft Fragen gehört, ja, was kann ich denn da allein schon tun? Also da stellt man schon fest, okay, wir haben hier auf der einen Seite die groĂŸen globalen Herausforderungen, denen wir uns da gegenĂ¼ber sehen und auf der anderen Seite stehen wir da in unserem Alltag und mĂ¼ssen irgendwie damit umgehen. Und irgendwie ist es uns dann schon so gegangen, dass wir uns gefragt haben, ja, wie deuten wir denn die Frage jetzt auch? Also was kann ich da allein schon tun? Und eine Ăœberlegung war natĂ¼rlich, dass es irgendwie auch die falsche Frage vielleicht ist. Also sie hat natĂ¼rlich eine Berechtigung, aber was steckt denn da drin in dieser Fragestellung? Und ja, also dieses Allein hat uns da so ein bisschen gewurmt und gesagt, ja, vielleicht ist das auch nicht so die richtige Perspektive. Vielleicht geht es ja eher um die Frage des Zusammen- und des Gemeinsam-Tuns. Und so sind wir natĂ¼rlich dann auch zu diesem Thema gekommen, was wir dann so ein bisschen aufdröseln wollten, so ein bisschen erkunden, was steckt da alles drin? Und uns ist natĂ¼rlich auch klar, wenn man diese groĂŸen Herausforderungen sieht, denen wir da gegenĂ¼berstehen, dass das alles wirklich auch nur gemeinsam zu lösen ist. Also ohne einen groĂŸen Konsens in der Gesellschaft können wir eine Mobilitätswende, eine Energiewende nicht schultern. Also ich meine, das sieht man ja gerade schon wieder an den hitzigen Debatten um die Heizung zum Beispiel. Also meine Nachbarn haben vermutlich Angst, dass Robert Habeck nächste Woche gleich persönlich vorbeikommt und die Heizung aus dem Keller reiĂŸt. Also es wird alles sehr hoch gekocht. Und genau, und so ein bisschen stellt man sich dann die Frage, ja, was steckt da eigentlich dahinter, wenn gesamtgesellschaftlich vielleicht einfach diese Dialogbereitschaft auch gar nicht da ist. Wenn da ja wenig Gemeinsamkeiten da sind, diese Ziele anzugehen. Vielleicht auch zu fragen, ja, was ist denn da der Hintergrund? Warum wird das jetzt hier so diskutiert? Warum kommt das auf die Agenda? Und was natĂ¼rlich wichtig ist in dem Kontext, ist auch, dass es diesen gesellschaftlichen Konsens irgendwie braucht. Also das heiĂŸt, wenn wir etwas gemeinsam bewältigen mĂ¼ssen, dann mĂ¼ssen wir es auch können. Und dann kann das nicht einfach eine Anforderung an uns sein, die wir nicht in der Lage sind zu erfĂ¼llen. Und deswegen mĂ¼ssen wir gucken, welche Grundbedingungen braucht es, dass wir das tatsächlich auch schaffen können. Also der gesellschaftliche Konsens ist vielleicht ein Punkt. Der andere Punkt ist eine sozial gerechte Lösung. Wenn wir nicht alle Menschen mitnehmen können mit diesen Lösungen, die hier diskutiert werden, dann ist das nicht sozial gerecht. Das soll auch sozial gerecht sein. AusschlieĂŸlich ein Technologiefokus, wie wir es gerade erleben, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Ja, dann ist die E-Mobilität steht im Mittelpunkt. Dann werden immer ausschlieĂŸlich oder zumindest sehr stark die technischen Lösungen fokussiert. Und die Frage ist ja, warum eigentlich nur so? Also letzten Endes steht da auch im Raum, wer kann sich das letzten Endes leisten? Sind das denn alle, die das bezahlen können? Und ist Technik nicht einfach auch nur ein Mittel, dass wir unser Verhalten nicht ändern mĂ¼ssen? Also eine Lösung, dass alles so bleiben kann, wie es ist. Und wenn ich mir dann Ă¼berlege, dass der A++ KĂ¼hlschrank, der jetzt in der Wohnung steht, viel weniger Strom verbraucht, aber der alte noch viel besser, also der alte immer noch gut ist und er jetzt im Keller weiterläuft zum Beispiel, dann ist die Frage von technologischen Lösungen auch irgendwie beschränkt. Ja, da muss man auch wirklich sagen, das ist auch nicht der heilige Gral, da muss es anders gehen. Und die gute Nachricht ist natĂ¼rlich, wir sind soziale Wesen und wir können das irgendwie. Also unsere Superpower ist die soziale Kooperation. Sonst hätten wir das nicht geschafft, heute an den Punkt zu kommen, wo wir sind. Man muss natĂ¼rlich auch dazu sagen, dieser Punkt ist natĂ¼rlich die Krise. Wir haben es auch bis hierhin geschafft. Und die naive Frage, die man sich dann vielleicht stellt und die wir uns stellen, ist natĂ¼rlich, wie ist es da um diese Fähigkeit denn heute bestellt eigentlich, um unsere soziale Kooperationsfähigkeit? Und sind wir vielleicht in diese globale Krisenlage nur deswegen geraten, weil wir das nicht hinkriegen, weil wir nicht mehr zusammenfinden? Ist das vielleicht auch eine Ursache fĂ¼r das, was wir heute erleben? Und ja, die Frage ist, denken wir nur noch an uns selbst oder schaffen wir es irgendwie zusammen, in die Zukunft zu gehen? Und diese Fragen tauchen mehrfach auch in vielen Publikationen auf, die wir heute oder in den letzten Jahren finden konnten. Wir hatten ein Buch gefunden, Rutger Bregmann, Im Grunde gut. Da geht es um gesellschaftliches Vertrauen und das, was das mit uns macht. Ein interessantes Buch, Gekränkte Freiheit von Karolin Amlinger und Oliver Nachtwey. Die beschäftigen sich mit den Extremen des Liberalismus. Also was passiert, wenn Menschen einfach sagen, ich lasse mir doch von niemandem sagen, was ich zu tun und zu lassen habe. Etwas, was man natĂ¼rlich heutzutage irgendwie auch häufiger erlebt. Und Mensch ohne Welt, vielleicht zu erwähnen von Alexandra Schauer. Also auch ein Buch, wo es darum geht, wie wir langsam irgendwie den Kontakt zu den Dingen verlieren. Hartmut Rose hat das ja mal so als Verlust von Resonanz oder von Resonanzfähigkeit betrachtet. Und an dem Punkt stehen wir halt eben gerade und wir fragen uns, wo fĂ¼hrt uns das hin, wenn wir momentan oder heute eine Wende schaffen mĂ¼ssen, die wir eben nur gemeinsam bewältigen können. Und das ist eben die groĂŸe Herausforderung. Und ich wĂ¼rde jetzt vielleicht mal kurz den Ball zurĂ¼ckspielen, nachdem ich jetzt so lange gesprochen habe. Ich habe hier mal drei Fragen fĂ¼r Sie vorbereitet, fĂ¼r euch, die ich gerne mal stellen wĂ¼rde. Die habe ich aus, sie lehnen sich so ein bisschen an so eine Werte-Frage an, die man im Albus findet, also in der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage von Helgesis oder eben auch vom Wissenschaftszentrum Berlin. Und ich wĂ¼rde mich freuen, wenn Sie da, meine Kollegin hat das ja schon mal erwähnt, entweder Ihr Mobiltelefon bemĂ¼hen, um da diese Frage zu beantworten. Und dann gucken wir mal, wie das funktioniert, oder? Wir schauen mal, wie das klappt. Also ich stelle die erste Frage und schauen Sie mal bitte, ob Sie auf Ihrem Telefon dort eine Antwort eingeben können. Okay, die erste Frage. Leben wir eher in einer egoistischen oder in einer sozialen Gesellschaft? Aktuell haben jetzt 18 Menschen hier an dieser Umfrage teilgenommen. Ich sehe, die Beteiligung steigt aber an. Wir sind mal bei 27. Also unabhängig von der Anzahl derer, die jetzt hier mitgemacht haben, kann man jetzt schon eigentlich eine eindeutige Tendenz erkennen. Also die Mehrheit hier im Raum geht davon aus, dass wir in einer eher egoistischen Welt oder Gesellschaft leben. Okay, dann können wir mit der zweiten Frage weitermachen. Die meisten Menschen in unserer Gesellschaft kĂ¼mmern sich vor allem um ihren eigenen Vorteil. Euer Voting. Reingeben. Okay, auch hier ist eine eindeutige Tendenz zu erkennen. Die meisten Menschen kĂ¼mmern sich offensichtlich um ihren eigenen Vorteil. Das ist unsere Einschätzung mit 74% zu 26%. So, dann haben wir die letzte Frage vorbereitet. Ich persönlich fände es wichtig, sich um andere zu kĂ¼mmern, auch wenn es nicht immer zum eigenen Vorteil ist. Okay, das Ergebnis ist ziemlich klar. 100% derer, die sich hier beteiligt haben, finden es wichtig, sich auch um andere zu kĂ¼mmern, auch wenn es nicht zum eigenen Vorteil ist. Okay, ich will gar nichts darĂ¼ber sagen, weil ich weiĂŸ, dass wir da ganz interessante Deutungen zu haben. Wir nehmen das jetzt erstmal so. Vielen Dank fĂ¼r die Teilnahme und fĂ¼r das Experiment. Das haben wir jetzt auch noch nicht so oft gemacht und hat erstmal schön funktioniert. Mal probiert, wie das digital geht. Genau, also das haben wir jetzt mal erhoben mit einem vielleicht nicht so Ă¼berraschenden Ergebnis. Und wir fragen uns jetzt natĂ¼rlich, was machen wir mit dem Ergebnis auch? Und vielleicht mit unseren Fragen, die Sie hier gestellt haben, die ich vorhin auch gestellt habe. Was bedeutet gemeinsam? Was ist Gemeinsinn und Gemeinwohl? Das, womit wir uns beschäftigen. Wir stehen ja schlieĂŸlich auch gemeinsam im Stau oder Ă¼berfluten zusammen die touristischen Hotspots weltweit. Also auch das tun wir gemeinsam. Was heiĂŸt also gemeinsam und was ist Gemeinsinn und Gemeinwohl? Und von welchem Wir ist dann die Rede, wenn wir Ă¼ber uns sprechen und Ă¼ber unsere Gemeinschaft? Und es geht natĂ¼rlich auch um die Frage ein StĂ¼ck weit, wo steckt das Ich im Wir? Weil es geht ja auch um uns. Und ich freue mich, dass wir heute jemanden hier vor Ort haben, der sich sehr intensiv mit diesen Fragen beschäftigt hat. Der da auch viel mehr Experte ist als wir oder als ich das bin. Und der sich mit dem Problem des Gemeinsinns der Gemeinschaft beschäftigt hat. Und vor allen Dingen in seiner letzten Publikation zusammen, wie wir mit Gemeinsinn globale Krisen bewältigen. Ja, ich stelle kurz unseren Referenten vor und freue mich auf den Vortrag. Heute zu Gast bei uns Ulrich Schnabel. DrauĂŸen haben Sie vielleicht schon sein Buch gelesen. Ulrich Schnabel ist Wissenschaftsjournalist bei der Wochenzeitung Die Zeit. Er hat Physik und Publizistik studiert und er schreibt Ă¼ber Themen im Grenzbereich zwischen Natur- und Geisteswissenschaft. Seit vielen Jahren ist Ulrich Schnabel Redakteur bzw. Autor bei der Zeit im Ressort Wissen und Dozent fĂ¼r Journalismus. Ulrich Schnabel erhielt fĂ¼r seine publizistische Tätigkeit zahlreiche Auszeichnungen. Unter anderem den Georg von Holzbrink Preis fĂ¼r Wissenschaftsjournalismus und den Werner und Inge GĂ¼terer Preis fĂ¼r Wissenschaftsvermittlung. Neben zahlreichen Artikeln hat Ulrich Schnabel mehrere BĂ¼cher veröffentlicht. Unter anderem mit den Titeln Wie kommt die Welt in den Kopf, MuĂŸe, die Vermessung des Glaubens, Was kostet ein Lächeln, Zuversicht. Und im letzten Jahr Zusammen wie wir mit Gemeinsinn globale Krisen bewältigen. Und was könnte da besser passen als ihn heute hier zu hören zu unserer Konferenz, zu unserem Thema. Ich freue mich, dass Sie da sind, den weiten Weg hierher unternommen haben und Ă¼berlasse Ihnen die BĂ¼hne. Christian Derisch hat ihn gerade schon vorgestellt, jetzt hier beim Dear Future Festival Radio der Wissenschaftsjournalist Ulrich Schnabel. Den Vortrag haben wir fĂ¼r euch am 11. Mai 2023 im Kulturpalast aufgezeichnet. Ich folge dem Beispiel meiner Vorrednerin und stelle das Buch mal hierher. Dann sehen Sie es gleich. Ja, schönen guten Abend. Vielen Dank fĂ¼rs Kommen. Auch schönen guten Abend an die Leute vor den Bildschirmen. Ich möchte gleich zur Auflösung dieser drei Fragen kommen. Weil jetzt ist die Frage, sind Sie die Ausnahme? Sind Sie besonders gemeinsinnig? Und die Antwort ist nein. Sie können diese Fragen egal wo stellen, das Ergebnis ist immer dasselbe. Die Mehrheit sagt, die anderen sind alle egoistisch, aber ich bin gemeinsinnig. Das kriegen Sie in jedem Zusammenhang auch deutschlandweit und das zeigt, dass wir eine extrem verzerrte Einschätzung haben. Weil wir nämlich das GefĂ¼hl haben, wir sind die einzigen oder ganz wenige, die gemeinsam nicht denken und die anderen sind alle egoistisch. Das denken aber alle. Und das VerrĂ¼ckte ist, weil das alle voneinander denken, verhandeln wir auch dementsprechend. Wenn Sie das GefĂ¼hl haben, Sie sind von lauter Egoisten umgeben, dann ist es völlig logisch zu sagen, Moment, da muss ich aber auch mal nach meinem eigenen Vorteil gucken. Wenn Sie allerdings das GefĂ¼hl haben, alle anderen um Sie herum denken total gemeinsinnig, dann denken Sie selbst automatisch auch gemeinsinniger. Das heiĂŸt, das Ergebnis von solchen Umfragen, je nachdem wie man es transportiert, beeinflusst schon wieder unser Handel. Und damit sind wir eigentlich schon mitten im Thema. Ich möchte aber vorher noch eine kleine Einleitung zum Thema Gemeinsinn geben. Wir haben von Herrn Berisch oder auch von den anderen gehört, das groĂŸe Thema Nachhaltigkeit, der Umgang mit Krisen, Klimawandel, Umweltschutz usw. Und wenn man das alles hört, dann muss man sagen, wir stehen vor riesigen Herausforderungen, wie immer in der Geschichte der Menschheit. Das war immer so. Die Herausforderungen haben sich verändert, auch die Mittel haben sich verändert. Und es gibt die berĂ¼hmte Geschichte von der Anthropologin Margaret Mead, die eines Tages gefragt wurde, was ist der Beginn der Zivilisation, an was macht man das fest? Was sind so die frĂ¼hesten Funde, an denen man den Beginn der Zivilisation festmachen kann? Sind das groĂŸe Bauwerke oder vielleicht Werkzeuge, die Erfindung des Rades? Was markiert den Beginn der Zivilisation? Und Margaret Mead sagte, der frĂ¼heste Fund eines gebrochenen und wieder zusammengewachsenen Oberschenkels. Warum? Weil, wenn Sie mal einen Beinbruch hatten, dann wissen Sie, das dauert vier bis sechs Wochen. In der Zeit können Sie nicht laufen. Wenn Sie also in so einer Jäger- und Sammlergemeinschaft leben und nicht laufen können, dann sind Sie des Todes. Es sei denn, die anderen kĂ¼mmern sich um Sie, nehmen Sie mit, bringen Ihnen was zu essen und so weiter. Tiere machen das nicht. Wenn ein Tier verletzt ist, hat es Pech gehabt, dann wird es vom Wolf oder vom Bär oder von wem auch immer gefressen. Und irgendwann haben die Menschen angefangen, Verletzte zu versorgen. Und das ist von Margaret Mead der Beginn der Zivilisation, weil wir da angefangen haben, sozial zusammenzuarbeiten. Und Sie wissen das natĂ¼rlich, sonst wären Sie jetzt heute nicht hier. Sie haben auch alle dieses GefĂ¼hl des Zusammenhaltens, der Zusammenarbeit. Sie wissen, um etwas GroĂŸes zu erreichen, mĂ¼ssen wir zusammenhalten. Wir bekommen zwar in allen möglichen Filmen und Zeitungen immer wieder so diese Heldengeschichte erzählt. Also der einsame Held, der alleine die Welt rettet, was natĂ¼rlich totaler Quatsch ist. Niemand kann alleine die Welt retten. Aber die andere Geschichte zu erzählen, dass es immer Gruppen oder grĂ¶ĂŸere Gemeinschaften sind, die ist meistens etwas komplizierter. Es ist viel einfacher, einen Helden oder eine Heldin zu haben und an der alles aufzuhängen. Aber das ist natĂ¼rlich groĂŸer Quatsch. Und Sie wissen das in Ihrem lokalen Umfeld. Wir sind ja alle vielfach vernetzt. Wir sind nicht nur im Internet, sondern wir sind auch in realen Netzwerken mit Menschen zusammen. In Familien, Freundeskreisen. Hier in Dresden gibt es regionale Kreise. Und wir sind aber auch planetar vernetzt. Wir sind in einer planetarischen Gemeinschaft und stehen gerade vor groĂŸen planetarischen Herausforderungen, die wir sozusagen als Menschheit nur gemeinsam lösen können. Und die groĂŸe Frage ist, schaffen wir oder schafft die Menschheit diesen Schritt, dieses gemeinsame Planetar zu denken, was bisher noch nie notwendig war in der Geschichte der Menschheit. Wir haben gelernt, kleinere Gruppen zu grĂ¶ĂŸeren Verbänden zusammenzuschalten, kleinere Länder zu grĂ¶ĂŸeren. Wir haben sowas wie Europa geschafft. Aber jetzt muss der nächste Schritt kommen, dass wir sozusagen planetar zusammen, global zusammenarbeiten. Und das ist natĂ¼rlich wirklich was ganz Neues in der Geschichte der Menschheit. Und die Frage ist, ob es gelingen kann oder nicht. Und ich möchte heute Abend so ein paar Ăœberlegungen dazu mit Ihnen teilen. Was heiĂŸt das eigentlich in Netzwerken zu leben? Welche Gesetze gelten da? Welche Vorteile hat das? Aber auch welche möglichen Gefahren? Wie kann man das positiv nutzen? Da möchte ich ein paar sehr interessante Erkenntnisse aus der Wissenschaft mit euch teilen. Und vor allem möchte ich gerne auch am Ende mit euch diskutieren. Ja, also ich werde jetzt nicht so lange reden, weil diese Diskussion ist eigentlich das, was auch fĂ¼r mich meistens das Interessanteste ist. Also wenn ihr unterwegs Fragen oder Anmerkungen oder so habt, merkt sie euch und lasst uns am Ende gemeinsam diskutieren. Und ich möchte meinen Vortrag anhand von drei groĂŸen Blöcken oder drei groĂŸen Leitfragen strukturieren. Im ersten Block will ich ein paar Erkenntnisse der Netzwerkforschung transportieren. Also es gibt so eine Forschung, die sich speziell damit beschäftigt, wie arbeiten Leute in Netzwerken zusammen? Welche Gesetze gelten da? Man könnte das auch unter die groĂŸe Ăœberschrift stellen. Was macht unser GlĂ¼ck aus? Im zweiten Teil will ich Ă¼ber die Nebenwirkungen und Gefahren sprechen. Weil es ist ja nicht so, dass Gemeinschaft immer gut ist und Alleinsein immer schlecht. Das wäre ein pauschales Urteil, das so nicht stimmt. Die Gemeinschaft hat auch Gefahren und die muss man kennen, damit man positiv damit umgehen kann. Ja, das ist so bei einem Medikament. Um das richtig einzusetzen, mĂ¼ssen sie auch die Nebenwirkungen kennen. Und im dritten Teil möchte ich dann darĂ¼ber sprechen, wie man Vernetzung klug nutzen kann fĂ¼r Veränderungen, sowohl im persönlichen wie auch im gesellschaftlichen. Weil ich glaube, das ist das, was uns alle hier umtreibt und beschäftigt. Und ganz zum Schluss sozusagen als kleines BonusstĂ¼ckchen möchte ich noch darĂ¼ber sprechen, wie es im Himmel und in der Hölle aussieht und was der Unterschied ist. Eine sehr lustige Geschichte zum Abschluss. Fangen wir gleich an mit der Netzwerkforschung. Ich weiĂŸ nicht, wer von euch hat Kinder? Okay, nicht alle, aber einige. Jetzt ist die Frage, habt ihr das selbst entschieden? Ja. Die Statistik sagt, nein. Die Statistik sagt, die Entscheidung zum Kinderkriegen hängt davon ab, wie in eurem Umfeld die Verteilung von neugeborenen Kindern ist. Wenn eure Freunde und Bekannte und Kollegen, wenn es dort viele Kinder gibt, dann steigt statistisch die Wahrscheinlichkeit, fĂ¼r euch auch Kinder zu kriegen. Dasselbe gilt Ă¼brigens fĂ¼r Hochzeiten. Hochzeiten sind regelrecht ansteckend. Also es ist statistisch nachgewiesen, dass vor allem wenn nahe Bekannte, also am schlimmsten ist, sind eigene Geschwister, Bruder, Schwester. Wenn die heiraten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ihr selbst auch bald heiratet, stark an. Bei Freunden ist der Effekt auch noch zu beobachten. Je weiter weg die Menschen von euch sind, umso geringer wird der Effekt. Aber das ist statistisch nachweisbar, dass die Teilnahme an Hochzeiten von engen Freunden die Wahrscheinlichkeit erhöht, selbst auch bald vor dem Traualtar zu stehen. Also wenn ihr auf eine Hochzeit eingeladen werdet, in nächster Zeit, denkt dran, vielleicht fahrt ihr lieber nicht hin, wenn ihr alleine bleiben wollt. Oder gerade doch. Und diese Untersuchungen, das sind natĂ¼rlich statistische Untersuchungen mit Hunderttausenden von Menschen. Also das ist jetzt nicht so, dass sozusagen direkte Wirkung von eins zu eins, man fährt zu einer Hochzeit und am nächsten Tag bekommt man einen Heiratsantrag. So funktioniert das natĂ¼rlich nicht. Das sind Statistische Effekte Ă¼ber sehr viele Menschen. Aber das zeigt, in groĂŸen Gruppen gibt es sowas wie eine soziale Ansteckung. Weil wir von dem Umfeld, in dem wir uns bewegen, automatisch beeinflusst werden. Und das funktioniert auf ganz vielen Ebenen. Also das beginnt schon beim einfachen Verhalten. In welches, wenn ihr abends in ein Restaurant geht, in einer fremden Stadt. Ihr kennt euch nicht aus, ihr geht durch die StraĂŸen. In welches Restaurant geht ihr? Ihr geht da rein, wo schon viele andere sitzen. Ihr geht nicht in das Restaurant, wo kein Mensch drin sitzt. Weil ihr automatisch annimmt, da wo viele sitzen, da muss es gut sein. Klar, das ist einer dieser Effekte. Weil wir annehmen, okay, wir wissen nicht alles, die anderen wissen mehr. Und deswegen ist es eine kluge Strategie, das zu machen, was die anderen machen. Das funktioniert aber auch auf so einer emotionalen Ebene. Also wenn viele Leute, bei der Mode kann man das immer gut sehen, irgendwas kommt in Mode, am Anfang denkt man, mein Gott, diese Hosen oder die Schuhe, sieht ja fĂ¼rchterlich aus, ein halbes Jahr später denkt man, geile Schuhe, finde ich total gut. Plötzlich findet man das gut. Niemand geht in den Laden und sagt, ich möchte die Hose, weil alle anderen auch solche Hosen haben. Sondern man geht da rein und sagt, ich finde diese Hosen total cool. Zwei Jahre später findet man die unmöglich, weil da ist was anderes in Mode. Das sind diese Effekte der unbewussten Beeinflussung und Ansteckung und die wirken permanent. Und am besten wirken sie, wenn man sich dessen gar nicht bewusst ist. Wenn man denkt, ich bin ganz individuell, ich entscheide einfach nach meinem eigenen Urteil, dann wirken diese Effekte am allerbesten. Weil dann denkt man, ich habe ganz alleine entschieden, diese Hose zu kaufen oder ich habe ganz alleine entschieden zu heiraten. Das ist ganz mein eigener Entschluss. Und man merkt gar nicht, wie sehr das Kollektiv damit bestimmt. Und es gibt da eine ganze Menge Forschung dazu. Eins der grĂ¶ĂŸten Projekte ist in einer kleinen amerikanischen Stadt in der Nähe von Boston. Läuft seit Ă¼ber 80 Jahren in Framingham. Das ist die berĂ¼hmte Framingham-Studie. Und die wurde vor 80 Jahren begonnen, weil man wissen wollte, was sind die GrĂ¼nde fĂ¼r Herzinfarkte? Welche Faktoren begĂ¼nstigen Herzinfarkte und welche Faktoren schĂ¼tzen? Und man hat ein ganzes Stadtteil zum Mitmachen aufgefordert. Und die Leute haben zugestimmt, dass sie Auskunft geben Ă¼ber ihre Gesundheit, Ă¼ber ihr Verhalten, Ă¼ber ihre Arbeit, Ă¼ber ganz viele soziale Faktoren. Also haben die Leute gesagt, okay, fĂ¼r die Wissenschaft, wir geben Auskunft Ă¼ber unsere Daten. Und die Wissenschaftler haben diese ganzen Daten gesammelt und abgeglichen mit der Zahl der Herzinfarkte. Da konnte man gucken, aha, liegt das vielleicht an zu viel Arbeiten oder hat das mit der Ernährung zu tun? Und dann irgendwann kam die zweite Generation, dann haben die Kinder mitgemacht. Und mittlerweile ist man in der dritten und vierten Generation. Man kann also solche EinflĂ¼sse Ă¼ber einen sehr langen Zeitraum verfolgen und sieht Muster. Man sieht Muster, die man dann korrelieren kann mit dem Risiko, Herzinfarkte zu bekommen. Und irgendwann haben die Forscher gesagt, Moment, wir haben hier einen riesigen Datenschatz. Wir könnten ja auch mal nach anderen Faktoren gucken. Wir könnten zum Beispiel gucken, wie zufrieden sind die Leute? Und gibt es da Korrelationen mit Geld oder Arbeit oder Gesundheit oder was auch immer? Und man hat festgestellt, dass die Zufriedenheit ebenfalls ansteckend ist. Dass sie nämlich, wenn sie einen guten Freund oder eine gute Freundin haben, die sehr zufrieden ist, dann erhöht das ihre eigene Zufriedenheit um 25%. Wenn der Freund oder die Freundin wiederum einen zufriedenen Freund oder eine Freundin hat, erhöht das ihre eigene auch nochmal um 12%. Also es geht immer weiter runter, aber man kann das statistisch nachweisen bis ins Dritte, bis Ă¼ber drei Stufen hinweg. Das heiĂŸt, Ă¼ber drei Stufen hinweg beeinflussen sie Leute, die sie vielleicht noch nicht mal kennen oder gesehen haben. Dasselbe gilt Ă¼brigens fĂ¼r Rauchen oder Ăœbergewicht, fĂ¼r viele Gesundheitsfaktoren. Also wenn in ihrem Umkreis viele Leute Raucher sind, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass sie selbst auch rauchen. Wenn da viele Nichtraucher sind, erhöht das ihre Wahrscheinlichkeit, nicht zu rauchen. Und das ist, statistisch kann man das messen. Und die Forscher, die haben am Ende sozusagen als Fazit ihrer Arbeit, sind sie zu dem Schluss gekommen, dass sie sagen, GlĂ¼ck und Gesundheit sind keine individuellen, sondern kollektive Phänomene. Ihre Gesundheit hängt von der Gesundheit der Menschen in ihrem Umfeld ab. Und wenn sie umziehen, auch das ist mittlerweile nachgewiesen, wenn sie umziehen in ein anderes Viertel, wo ein anderes Gesundheitsniveau oder eine andere Stimmung herrscht, dann schlägt sich das automatisch nach und nach auf ihre Stimmung nieder. Also die einfachste Möglichkeit zu sagen, was gut ist fĂ¼r seine Gesundheit zu tun oder fĂ¼r seine Stimmung, ist sich Leute zu suchen, die eine positive Stimmung verbreiten. Das ist ein ganz einfacher Trick, da mĂ¼ssen sie selbst gar nicht groĂŸ tätig werden, sie mĂ¼ssen gar keine groĂŸen Programme machen, sondern suchen sie sich Leute, die das transportieren, was sie gerne haben und das färbt auf sie ab. Das steht natĂ¼rlich in extremem Gegensatz zu dem, was sie in 10.000 Ratgeber- und SelbsthilfebĂ¼cher lesen können, weil dort wird ja immer so getan, als ob sie ihr GlĂ¼ck, ihre Gesundheit oder was auch immer ganz alleine bewerkstelligen können. Sie mĂ¼ssen A, B, C machen, die Strategie und jene Strategie und dann können sie ihr GlĂ¼ck oder ihre Gesundheit oder was auch immer ganz alleine erreichen. Was natĂ¼rlich Quatsch ist, weil wenn man das Umfeld ausblendet, dann blendet man einen riesigen Faktor aus. Es gibt mittlerweile auch eine ganze Reihe von medizinischen Studien, die auch zeigen, dass die Eingebundenheit von Menschen in ihr Umfeld ein richtig groĂŸer Gesundheitsfaktor ist. Es gibt zum Beispiel eine Studie, da wurden Männer untersucht, die in einem Jahr drei Schicksalsschläge zu bewältigen hatten, also so richtig groĂŸe Dinge wie Arbeitsplatzverlust oder Tod eines geliebten Menschen oder Umzug, also so richtig tiefe Einschnitte, drei StĂ¼ck im Jahr. Und man hat festgestellt, die Männer, die alleine lebten und die keine soziale UnterstĂ¼tzung hatten, bei denen verdreifachte sich die Todesrate und bei den Männern, die eine gute Einbettung, die soziale UnterstĂ¼tzung von Freunden und Verwandten hatten, bei denen veränderte sich die Todesrate nicht. Das heiĂŸt, Einsamkeit, Alleinsein kann richtig tödlich sein. Es gibt auch Studien, die zeigen, dass das Risiko steigt, Herzinfarkt, Demenz, Kreislaufkrankheiten usw. zu bekommen. Also eigentlich mĂ¼sste man sagen, Zuwendung und Verbundenheit ist ein extrem wirksames Medikament. Und viele Hausärzte wissen das auch. Wenn zum Beispiel einsame Menschen, häufig Ă„ltere, die keine Angehörigen mehr haben, die sind oft sehr einsam. Und wenn die ins Sprechzimmer kommen, dann ist dieser Kontakt mit dem Arzt, das Gespräch mit dem Arzt ist absolut zentral wichtig fĂ¼r die, weil das vielleicht einer der ganz wenigen Sozialkontakte ist, die die haben. Und eigentlich mĂ¼sste es das auf Rezept geben. Das Problem ist, an sowas verdient keine Pharmafirma. Deswegen wird das auch nie verschrieben, soziale Zuwendung. Aber eigentlich weiĂŸ jeder Arzt, Zuwendung ist ein totales Heilmittel. Ja, das ist also das eine, dass Eingebundenheit wirklich heilsam ist. Und das andere, was ich sozusagen rĂ¼berbringen möchte, ist etwas zur Struktur solcher Netzwerke. Denn es gibt ganz verschiedene Netzwerke und es gibt vor allem verschiedene Positionen in Netzwerken. Und es ist gut, das zu wissen, weil dann kann man klĂ¼ger damit umgehen. Es gibt zum Beispiel Knotenpunkte in Netzwerken. Das sind Leute, die mit ganz vielen anderen in dem Netzwerk in Verbindung stehen. Also wir haben zum Beispiel bei uns in der Nachbarschaft, da gibt es eine ältere Dame. Wir nennen die immer das EimsbĂ¼ttler Wochenblatt. Wenn man möchte, dass die anderen etwas erfahren, muss man es nur der erzählen. Und man kann sicher sein, ein paar Tage später wissen es alle anderen. Das ist so ein Knotenpunkt. Auch in vielen Unternehmen gibt es solche Leute, die so Knotenpunkte sind. Und das sind meistens nicht die Chefs. Das sind nicht die Vorgesetzten, weil die Vorgesetzten, die haben ja ihre eigene Agenda. Denen erzählt man nicht alles. Da geht man nicht hin und erzählt und plaudert mit denen. Sondern das sind eher vielleicht die Damen im Vorzimmer, die Sekretärinnen. So Leute, die eigentlich scheinbar so ganz unwichtig oder unsichtbar sind, die aber mit ganz vielen in Verbindung stehen. Zu denen jeder kommt, zu denen jeder Vertrauen hat, denen jeder erzählt, was ihn so bedrĂ¼ckt. Und die wissen oft total gut Ă¼ber die Stimmung im Unternehmen Bescheid. Und wenn der Chef klug ist, wenn es ein kluger Chef ist, dann fragt er vor einer wichtigen Entscheidung seine Sekretärin. Und sagt, wie ist denn so die Stimmung? Und dann sagt die, das finde ich jetzt so. Und wenn er dumm ist, dann versetzt er die Sekretärin, weil er das nicht versteht, was die fĂ¼r eine Rolle hat im Netzwerk. Also so ein Knotenpunkt ist ganz wichtig. Und dann gibt es auch noch die BrĂ¼ckenbauer. Weil es gibt ja häufig verschiedene Netze, verschiedene Gruppen, in denen wir uns bewegen. Es gibt das Netzwerk Arbeit, es gibt vielleicht das Netzwerk Sportverein oder es gibt das Netzwerk Musikgruppe und es gibt das Netzwerk Eltern in der Schule und so weiter. Also wir sind in verschiedenen Netzen unterwegs. Und dann gibt es Leute, die bewegen sich immer nur in einem bestimmten Netzwerk. Das nennt man dann ein geschlossenes Netzwerk. Die haben immer mit den gleichen drei, vier, fĂ¼nf Leuten Kontakt, aber mit keinem anderen. Und dann gibt es Leute, die sind so zwischen den Netzwerken. Die vermitteln zwischen den Netzwerken. Das sind so meistens sehr kommunikative Menschen. Ich wette, hier unter euch sitzen sehr viele solcher BrĂ¼ckenbauerinnen und BrĂ¼ckenbauer, deren Kennzeichen ist nämlich, dass sie zu solchen Veranstaltungen gehen zum Beispiel und dann wieder nach Hause gehen und dort anderen Leuten davon erzählen. Ach, da hat der das und das erzählt. Das fand ich ganz interessant. Und so wird das Wissen weitergetragen. Und wenn man neue Dinge implementieren will, es gab da mal so einen interessanten Versuch in Afrika, da wollte man ein neues Bewässerungssystem in so einer abgelegenen Gegend implementieren. Man wollte die Leute davon Ă¼berzeugen, dieses Bewässerungssystem einzubauen. Und man hat das erst mal so gemacht, wie man das halt so macht. Man ist da hingefahren und die westlichen Helfer und dann hat eine Dorfversammlung gemacht und hat versucht, den BĂ¼rgermeister davon zu Ă¼berzeugen. Also das ist total gut aus diesen und jenen GrĂ¼nden. Und dann haben die gesagt, aha, ja, interessant, lass das mal hier. Und dann kamen die westlichen Helfer nach zwei, drei Jahren und haben festgestellt, ach, das verrottet da hinten, rostet vor sich hin, niemand benutzt es. Und dann hat man sich Ă¼berlegt, wie muss man das anders machen? Und dann gab es so ein paar kluge Ethnologen, die haben gesagt, pass mal auf, wir machen das folgendermaĂŸen, wir suchen jetzt erst mal nach den Knotenpunkten und BrĂ¼ckenbauern. Dann haben die sich wochenlang erst mal nur ins Dorf gestellt und haben geguckt, wer redet eigentlich hier mit wem? Wer hat mit wem Kontakt? Und dann hat man die Leute auch so gefragt, was sind denn so eure Vertrauenspersonen, mit wem redet ihr und so. Und dann hat man herausgestellt, es gibt da so ein paar Figuren, das sind die wichtigen Knotenpunkte. Und dann hat man die Ă¼berzeugt, die fĂ¼nf, sechs Leute, weil man festgestellt hat, okay, das sind sozusagen die wichtigen Verteilerzentren. Und wenn die das akzeptieren und sagen, oh, das ist eine gute Sache, dann transportiert sich das zu den anderen auch ganz automatisch. Also insofern ist es immer gut, so ein bisschen in das Netzwerk mal reinzugucken und zu analysieren, wer hat denn hier eigentlich welche Rolle? Wer macht nur mit? Wer verbindet? Wer ist ein Antreiber? Und ein Tipp, wo man das mal so ein bisschen grafisch fĂ¼r sich selbst auch darstellen kann, ist, sich zu Hause mal hinzusetzen, ein groĂŸes Blatt Papier zu nehmen, so DIN A3 oder so, und mal das eigene Netzwerk aufzuzeichnen. Also sich selbst in die Mitte zu setzen und dann die Leute, mit denen man sehr engen Kontakt hat, drumherum. Und dann die Leute, mit denen man sporadisch Kontakt hat, ein bisschen weiter weg. Und dann vielleicht auch noch die Leute, mit denen die wiederum Kontakt haben, mit denen ihr Kontakt habt. Und dann merkt ihr plötzlich, wie das Netzwerk anfängt zu wachsen. Und wahrscheinlich werdet ihr auch feststellen, das Netzwerk ist viel grĂ¶ĂŸer, als ihr euch vorstellen könnt. Man denkt, ich kenne da so die fĂ¼nf, sechs Leute und so. Und dann plötzlich stellt man fest, wow, die haben ja auch noch mit denen Kontakt und mit denen. Und plötzlich merkt man, man ist in so einer riesigen Netzwerkstruktur. Und das Netzwerk beeinflusst euch, aber ihr beeinflusst natĂ¼rlich auch das Netzwerk. Das ist ja ein lebendiges Gewebe. Und alles, was an einer Stelle passiert, hat Auswirkungen an die anderen. Genauso wie in diesem Versuch Ă¼ber die drei Stufen, die glĂ¼cklichen Freunde, die euch beeinflussen, beeinflusst ihr mit eurer Stimmung natĂ¼rlich auch wieder andere. Das sind so Kettenreaktionen. Wenn man morgens schlecht gelaunt ist und seine Frau anpflaumt, und dann ist die wiederum schlecht gelaunt und motzt den Bäcker an, und der motzt sein und so weiter, da kann sich das wirklich so ziemlich weit verbreiten. Das heiĂŸt, selbst wenn wir das nicht sehen, es ist uns nicht bewusst, aber natĂ¼rlich hat das, was wir tun, Auswirkungen. Und damit bin ich jetzt beim zweiten Teil, bei den Gefahren der Gemeinschaft. Die muss man nämlich auch auf dem Schirm haben. Und ich möchte euch jetzt hiermit als Versuchspersonen, ich erkläre euch jetzt alle zu Versuchspersonen in einem psychologischen Experiment. Stellt euch vor, ihr wurdet gebeten, da an einem psychologischen Experiment teilzunehmen, und ihr sitzt da jetzt, und das Experiment ist ganz einfach. Werdet ihr gleich sehen, es ist ganz einfach. Und zwar bekommt ihr an der Wand immer zwei Bilder zu sehen, und auf dem einen Bild sind drei Striche, und auf dem anderen Bild ist ein einzelner Strich. Und ihr sollt sagen, mit welchen dieser drei Striche der Ă¼bereinstimmt. Und an dieser Stelle mĂ¼ssen wir mal kĂ¼nstlich und knallhart einen Kniffhänger erzeugen und den Vortrag von Ulrich Schnabel splitten. Das war die erste Stunde des Dear Future Festival Radios auf Coloradio, dem freien Radio fĂ¼r Dresden, mit dem Mitschnitt der Symposiumseröffnung im Dresdner Kulturpalast am 11. Mai. Sonntag, 19 Uhr, gibt es dann die geballte Ladung hier an dieser Stelle bis Mitternacht auf Coloradio. Danke fĂ¼rs Zuhören, sagt Jens Steiner. Jetzt geht es weiter mit der Abendschule zum Thema Liebe von und mit Ulrike Worschny. 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