
Listen to Helena Dimitriadis by AnnaL MP3 song. Helena Dimitriadis song from AnnaL is available on Audio.com. The duration of song is 26:01. This high-quality MP3 track has 1411.2 kbps bitrate and was uploaded on 31 Jul 2024. Stream and download Helena Dimitriadis by AnnaL for free on Audio.com – your ultimate destination for MP3 music.










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The person in the transcription discusses their experiences with a visual impairment and the challenges they faced in school and in their professional life. They also talk about their mother's reluctance to acknowledge their disability and the guilt she felt. The person struggled to accept their disability and had to switch jobs frequently. They eventually sought therapy and joined an organization that provided assistance for people with disabilities. They also mention their difficulty in socializing and forming relationships due to their visual impairment. Overall, they express a desire for acceptance and independence. Meine erste Frage ist, wie war deine Schulzeit? Hattest du je Probleme in der Schule? Das Problem waren meine Augen, weil ich hatte von Geburt an eine Augenkrankheit, wo ich sehr schlecht gesehen habe. Also ich war noch nicht ganz blind, sondern einfach schlecht gesehen. Und meine Mutter wollte mich nicht in die Sonderschule bringen, also in eine sehbehinderten Schule, sondern in eine ganz normale Schule. Und die Lehrer konnten mit dieser Sehbeeinträchtigung nicht umgehen. Und mein Problem war, ich konnte an die Tafel nicht gescheit sehen. Also wenn irgendwas an die Tafel geschrieben wurde, dann habe ich es nicht gesehen und bin auch nicht im Unterricht mitgekommen. Und die Lehrer sind natĂ¼rlich darauf nicht eingegangen und im Gymnasium war es dann so, dass es geheiĂŸen hat, ja, dann ist das Gymnasium zu schwer. Also wechselte ich in die Hauptschule. In der Hauptschule ist es halbwegs gut gegangen, solange die gute Direktorin dort war. Die haben ein bisschen RĂ¼cksicht genommen auf meine Augen. Dann, wie Direktorenwechsel war, dann war das halt auch nicht mehr so gut. Ich habe dann noch einmal gewechselt in eine öffentliche Hauptschule, wo sie dann eingegangen sind auf dieses Thema und sehr gut, es waren sehr nette und sehr gute Lehrer. Ja, und das war der Grund, warum ich ständig wechseln musste. Warum wollte eigentlich deine Mutter nie, dass du in eine Sonderschule gehst? Ja, das ist die Frage. Das weiĂŸ ich selber nicht. Es ist so, das Problem war, dass meine Mutter mir gegenĂ¼ber SchuldgefĂ¼hle gehabt hat. Weil dieses Augenleiden war sozusagen ein Verschulden des Staatsschulrates und des Direktors. Sie war in der Langegasse im 8. Bezirk Lehrerin, Volksschullehrerin, und dort ist eine Infektion umgegangen. Und die wollten sie nicht versetzen, meine Mutter. Sie war schwanger mit mir damals und von dort her hat sie SchuldgefĂ¼hle gehabt und hat das verdrängt. Also sie wollte das nicht wahrhaben, dass ich eine Sehbeeinträchtigung habe. Ja, man ist draufgekommen dann mit drei Jahren und dann hat man jahrelang gerätselt, von wo kann das sein. Bis man dann draufgekommen ist, nach Jahrzehnten, dass das von dem Schulddienst war. Und sie hat massive SchuldgefĂ¼hle mir gegenĂ¼ber gehabt. Ich glaube, dass sie mich aufgrund dessen, dass sie es nicht wahrhaben wollte, mich nicht in eine Sehbehindertenschule geschickt hat. Sie wollte ein normales Kind haben, ja. Und wie bist du mit deiner Sehbehinderung umgegangen? Also es war so, ich habe massiv gekämpft. Erst in der Schule, dann im Berufsleben. Das war Ă¼berhaupt die Hölle, weil ich ständig auch die Arbeitgeber wechseln musste. Und ich habe immer das GefĂ¼hl gehabt, ich bin halt fĂ¼r meine Mutter nicht das normale Kind, was ich sein wollte. Ich habe noch einen Bruder, das muss ich dazu sagen, hat gesehen massive, sie macht einen sehr groĂŸen massiven Unterschied, wo ich erst später draufgekommen bin, dass eben die Blindheit der Grund war, oder die Sehbeeinträchtigung in dem Fall. Ich habe mir es sehr schwer getan im Leben. Ich habe einerseits fĂ¼r meine Mutter das normale Kind sein wollen, was nicht gegangen ist. Und dann muss man dazu sagen, sie hat einen Augenarzt gehabt, den sie privat gezahlt hat. Und der hat gesagt, ja, ich soll mich nicht behindert fĂ¼hlen, es geht noch, es geht noch. Und ich habe geschwiegen, weil ich habe gespĂ¼rt, es geht nicht mehr. Die ersten zwei Zeilen sind gegangen, aber dann nicht mehr. Dann haben sie mir Brille gegeben, und die Brille hat aber nichts gegriffen. Das hat aber keiner verstanden, dass die Brille nichts greift. Und ich bin mit dieser ganzen Last sozusagen aufgewachsen. Dann im Berufsleben war es sehr schlimm, weil ich war dann Ă¼ber 15 Jahre arbeitslos. Ich habe nicht sagen können, ja, ich habe die Augenkrankheit oder ich sehe schlecht oder so. Ich habe schweigen mĂ¼ssen. Nach auĂŸen hin hat es ausgeschaut, wie wenn ich faul wäre oder arbeitslos wäre. In Wirklichkeit haben die Augen nicht mehr mitgespielt, und ich habe geschwiegen. Ich musste es so tun, als wäre alles normal. Nur um der Familie und auch selbst mir zu gefallen. Ich wollte ja nicht irgendwie ein AuĂŸenseiter sein oder anders sein. Ich wollte von meiner Mutter so akzeptiert werden, wie es halt auch mein Bruder war. Und hast du dich je abgefunden mit einer Sehbehinderung? Nein, bis heute nicht. Bis heute nicht. Ich muss dazu sagen, ich habe gegen den Willen meiner Mutter und meinem Bruder, weil mein Vater war ja dann schon lange tot, bin ich dann zum Blindenverband gegangen und hatte eine Umschulung gemacht. Weil es kamen von der Familie die VorwĂ¼rfe, ich hänge ihnen im Geldsack. Besonders meinem Bruder. Weil der hat dann gesagt, ja, er findet keine Frau, weil er muss mich sozusagen finanzieren. Und daraufhin habe ich mir gedacht, okay, das geht nicht so weiter. Ich war damals dann schon blind. Ich gehe jetzt zum Blindenverband. Meine Mutter hat gleich aufgeschrien, nein, du gehst nicht, du bist nicht blind, du bist nicht behindert, du gehst dort nicht hin. Und ich habe gesagt, nein, das werde ich machen. Ich habe vom Staat nichts bekommen. Ich habe praktisch nur Taschengeld von zu Hause bekommen. Habe mich dann entschlossen, zum Blindenverband zu gehen. Und dort habe ich mir dann eine Therapie gesucht, habe dann mit der Therapeutin verschiedene Sachen besprochen, was halt in der Familie vorgefallen ist. Und habe dann auch gesagt, ich weiĂŸ nicht, meine Mutter ist so komisch eigenartig fremd zu mir. So wie wenn ich nicht ihr Kind wäre. Und dann ist herausgekommen, ja, sie hat SchuldgefĂ¼hle. Und die hat mir dann auch erklärt, was sie frĂ¼her mit behinderten Kindern gemacht hat, oder mit blinden Kindern. Da ist mir mal alles untergefallen. Ich muss sagen, ich bin heute noch in Therapie, diesbezĂ¼glich. Und ich komme mit der Sache nicht ganz zurecht. Ich verstehe vieles nicht. Ich denke Ă¼ber vieles nach. Aber ich tue mir echt schwer. Ja, ich meine, es ist, wie soll ich sagen, wenn man nichts sieht, ist das Leben natĂ¼rlich begrenzt. Manche Sachen kann man halt eben nicht machen. Da brauchst du Assistenten dazu. Oder du bist abhängig von anderen Menschen. Manche Menschen geben einem schon das GefĂ¼hl, diese Abhängigkeit, und das ist unangenehm. Wobei ich sagen muss, meine Assistenten, die sind sehr, sehr nett. Die sind von der Wiener Assistenzgenossenschaft. Von dort habe ich auch den Rat bekommen, zur Zeitpolster zu gehen. Von dort habe ich meine Assistenten, die betreuen mich jeden Tag. Und mit denen bin ich sehr zufrieden. Das sind wirklich Menschen, da hast du ein selbstbestimmtes Leben. Du kannst deinen Alltag einteilen, wie du möchtest. Und bist von privaten Menschen nicht abhängig. Und das ist wirklich sehr, sehr toll. Meine Beraterin von der Wiener Assistenzgenossenschaft, die hat mir dann einen Link empfohlen. Und da habe ich bei der Homepage geschaut, und Ă¼ber diesen Link bin ich zum Zeitpolster gekommen. Ich habe dann angefragt, und die hat gesagt, ja, so und so viel Euro in der Stunde. Und ich habe mir gedacht, okay, kann man das leisten, einmal in der Woche. Einen Besuchsdienst, weil ich ja sehr einsam bin, das funktioniert sehr gut. Also der Besuchsdienst, die beiden Damen sind sehr, sehr nett. Ăœberhaupt nichts sagen, ja. Ist die Behinderung auch eine groĂŸe HĂ¼rde fĂ¼r dich, um andere Menschen kennenzulernen? Absolut. Es ist so, ich muss sagen, ich lebe seit dem Tod der Mutter sehr zurĂ¼ckgezogen. FrĂ¼her bin ich sehr viel unterwegs gewesen, auch alleine, ohne Assistenz. War in meinen Stammlokalen, das hat sich geändert. Ich habe dann versucht, Ă¼ber Organisationen Ehrenamtliche zu finden, was mir teilweise gelungen ist. Aber selbst bei den Ehrenamtlichen, muss ich sagen, ist es auch ein Kampfkrampf. Es muss einfach die Chemie passen, und wenn es nicht passt, dann habe ich nichts davon. Und dadurch, dass ich sehr selten rauskomme, bis gar nicht rauskomme, bin ich eben auf Ehrenamtliche angewiesen. Und das ist schon sehr mĂ¼hsam. Es ist nicht alles ganz so einfach, und redet nicht ganz den Vorstellungen, was ich habe, ab. Und wo hast du dann eigentlich gearbeitet? Also ich war im Pflegeheim, in der Seeböckgasse. Ich war dort Telefonistin, bin dort an der Rezeption gesessen und war dort fĂ¼nf Jahre. Ich muss sagen, es waren sehr nette Kollegen dabei, aber ich habe einen Kollegen gehabt an der Rezeption, der war halt sehr behindertenfeindlich eingestellt. Dementsprechend bin ich gemobbt worden, und eines Tages haben die mich dort in den Betriebsrat gewählt, und zwar als Behindertensprecherin. Und ich wollte mich dafĂ¼r dort einsetzen, dass Blinde und Rollstuhlfahrer sozusagen angestellt werden. Und es ist mir nicht gelungen. Es war sehr viel Streit zwischen Arbeitgeber und eben mir. Und ich habe dann dort gekĂ¼ndigt. Aber die ersten zwei Jahre waren dort sehr, sehr schön. Ich habe mich mit dem Chef sehr gut verstanden. Es waren sehr liebe Kollegen. Zwei sind schon leider gestorben. Viele haben gekĂ¼ndigt. Es war halt so, ich war sehr lange arbeitslos, und fĂ¼r mich war die Umschulung beim Blindenverband und dann die Arbeitsstelle und dann das eigene Gehalt, es war fĂ¼r mich ein zweites Leben. Und mir ist trotz meiner Blindheit, muss ich sagen, mit Hilfsmitteln und allem drum und dran, besser gegangen als vorher. Ich habe dann, wie ich gekĂ¼ndigt habe, war dann meine Mutter sehr krank und pflegebedĂ¼rftig, und ich habe sie dann zu Hause pflegen lassen und habe dann mit Assistenten alles Mögliche besorgt und organisiert, bis sie halt dann gestorben ist. Ich habe daneben dann noch diese Wohnung da, wo ich jetzt bin, eingerichtet fĂ¼r mich und habe noch einen Job gesucht daneben. Also es war hart. Es ist eineinhalb Jahre gegangen. Wie sie dann gestorben ist, bin ich in ein ganz tiefes Loch gefallen. Ich war dann in einem Burnout, habe dann Therapien gemacht. Ich bin aus dem Burnout leider noch nicht ganz drauĂŸen, weil sich dann familiär zwischen Bruder und seiner Mutter irrsinnige Streitigkeiten entwickelt haben. Es war eine wirklich horte, horte Zeit. Und jetzt muss ich sagen, ich habe alles geschafft, was ich schaffen konnte. Ich bin zufrieden, so wie es ist, aber ich hadere noch immer mit dem, was mir in der Vergangenheit zugefĂ¼gt worden ist und mit der Einsamkeit. Also ich komme nicht ganz klar damit. Und hast du das GefĂ¼hl, dass dir die Therapie hilft? Merkst du irgendwie, dass es dir besser geht und dass du das verarbeitet hast? Nein. Ich habe eine gute Therapeutin gehabt, die leider zu teuer war. Dann habe ich sie gelassen und habe jetzt eine Therapie auf Krankenkasse. Und die mache ich jetzt seit einem halben Jahr. Aber ich spĂ¼re, es bringt mir sehr wenig. Ich empfinde sie nicht sehr motivierend. Ich brauche jemanden, der mit mir Lösungsvorschläge erarbeitet. Der eingeht auf meine Situation, aber nicht eine Plauderstunde. Ich habe von der Plauderstunde nichts. Ja, ich kann es zwar runterreden, aber wie ich mit bestimmten Situationen umgehe, die mein Leben vielleicht erleichtern könnten, das macht sie nicht. Und das brauche ich. Und wie war die Zeit, als du deine Mutter gepflegt hast? Ui, sehr schwer. Es war so, wir waren zuerst einmal bei der Caritas und haben Pflegekräfte gesucht. Das war noch, wie ich im Job war. Das ist nicht gut gegangen, weil die haben mich dauernd angerufen, die Mutter lässt niemanden rein und so weiter und so fort. Dann haben wir gewechselt zum Wiener Hilfswerk. Die sind sehr gut, sehr gute Pfleger, sehr gute Heimhilfen. Dann, wie ich den Job gekĂ¼ndigt habe, war ich dann zu Hause. Wir haben eine Heimhilfe gehabt vom Wiener Hilfswerk, die war extrem gut. Also die hat mir auch ihre UnterstĂ¼tzung angeboten, wenn ich etwas brauche oder so. Und die waren auch fĂ¼r mich da. Also ich habe mit meiner Mutter in der Wohnung zusammengelebt. Diese Heimhilfe, die war sehr umsichtig und wir haben dann die Pflege auch gehabt. Und das war ein sehr gutes Teamspiel. Meine Mutter wollte das aber nicht annehmen, auch nicht meine Hilfe, weil die war mit meinem Bruder so verstritten und hat dann jedem gesagt, sie will nicht mehr leben. Sie will absolut nicht mehr leben. Sie hat keinen Lebenswillen, sie will sich umbringen. Sie hat das auch irgendwie gemacht, indem sie sich runtergehungert hat. Und das ist dann so weit gegangen, dass... Also sie hat immer mit meinem Bruder oder mein Bruder mit ihr gestritten. Es ist immer um eine Frau gegangen. Ich habe gesehen, dass meine Mutter sehr abbaut. Das waren immer öfters Spitalsaufenthalte. Und eines Tages ruft man mich vom Wilhelminenspital an. Ich denke mir, was wollen die? Wieso rufen die mich an? Um Gottes Willen, was ist da los? Und die Krankenschwester sagt zu mir, ja, der Bruder ist dort bei der Mutter und die streiten miteinander so viel. Ich habe gesagt, okay, ja, also... Ja, und wir reden lieber mit ihnen. Ich habe zuerst geglaubt, ich höre so schlecht. Und sie hat dann mich gefragt, ja, aber die Mutter wird ja bei mir zu Hause betreut. Ach so, ihr glaubt von Bruder, also genau, von mir. Also keiner hat geglaubt, aufgrund meiner Blindheit, dass ich in der Lage bin, meine Mutter zu pflegen oder fĂ¼r sie da zu sein. Also mein Bruder hat dann gesagt, ja, er lebt sein eigenes Leben und hat mich mit der Mutter alleingelassen. Na ja, und dann ist das halt so weitergegangen, bis der nächste Spitalesaufenthalt war. Es war echt schwierig. Und sie wollte wirklich nicht mehr leben. Sie hat sich runtergehungert. Dann zum Schluss hat sie mir gesagt, ja, ich mache mir Sorgen um dich, weil ich war ja arbeitslos und blind. Und ich habe mir damals gedacht, okay, was soll ich ihr sagen. Ich kann ihr nicht sagen, ihr recht hast. Ich habe ihr einfach gesagt, mach dir keine Sorgen. Und mit meinem Bruder ist sie völlig zerstritten, auseinandergegangen. Er hat sich nicht mehr mit ihr versöhnt. So war das. Wie war deine Umschulung beim Blindenverband dann? Also zuerst einmal musste ich Mobiltraining machen. Das Gehen auf der StraĂŸe. Dann die Geräuschkulisse. Hörtechnik wird trainiert. U-Bahn fahren, Autobus fahren. Verschiedene Situationen im StraĂŸenverkehr werden da geĂ¼bt. Intensiv. Also am Anfang war das ein Hammer. Bis nach einer Stunde K.O. Parallel dazu habe ich dann eine Umschulung gemacht im Office. Das ist eben Handelsschule auf blind. Und da habe ich lernen mĂ¼ssen die Preilschrift. Betriebswirtschaftslehre noch einmal von vorne. Und EDV als Blinder. Das war der schwierigste Hammer Ă¼berhaupt. Weil wir waren in der Gruppe, ich glaube drei, die blind waren mit mir. Und sonst Schwersehbehinderte. Die Schwersehbehinderten sind natĂ¼rlich schneller mitgekommen als die Blinden. Mein GlĂ¼ck war nur, dass ich in der Handelsschule Blindmaschinen schreiben gelernt habe. Und auch die EDV gelernt habe. Sonst wäre ich dort nicht mitgekommen. Die haben ein Tempo gehabt wie fĂ¼r normale Sehende. Also die haben keine Einschneidung gehabt von der Test. Ich habe den ComputerfĂ¼hrerschein den kleinen gemacht. Der Test war wie bei den Sehenden. Und ich habe die Umschulung insgesamt mit Auszeichnung gemacht. Sowohl Betriebswirtschaftslehre als auch EDV. Da war ich mächtig stolz, weil ich war von allen die Beste. Und weil ich die Beste war, ist der Blindenverband dann hergegangen und hat Ă¼ber mich einen Artikel geschrieben. Zweigleich. Einen fĂ¼r die Umschulung und einen allgemein des 2017 rausgekommen. Das war fĂ¼r mich eine sehr schwierige Zeit, aber die schönste Zeit. Die erfolgreichste Zeit. Und ich denke oft darĂ¼ber nach. Ich habe dem Blindenverband sehr viel zu verdanken. Ohne Blindenverband hätte ich es nicht geschafft. Wirklich nicht geschafft. Der Obmann damals war super. Der war sehr gut. Hat schĂ¼tzend Ă¼ber seine Leute die Hand gehalten. Aber die waren wirklich sehr, sehr gut. Ich habe eine Arbeitsassistentin gehabt, die war irrsinnig engagiert. Die gibt es noch dort. Und die hat mich wirklich Ă¼berall unterstĂ¼tzt. Bei den Ă„mtern, bei der Umschulung, beim Berufsleben. Also die war wirklich sehr engagiert. Hast du dich dann durch diese Hilfe schneller an die Blindheit gewohnt? Ja, und mit der Zeit, wenn man mal drinnen ist, entwickelt sich die DAS-Zinne schon sehr, sehr stark. Also ich merke das auch. Ich kann vieles besser fĂ¼hlen als noch vor zehn Jahren. Das Einzige, was ich von Geburt an sehr ausgeprägt habe, ist das Gehörsinn. Da sind sie drauf gekommen, dass ich sehr musikalisch bin. Dass ich ein ausgeprägtes, gutes Gehör habe. Und das hat mir sehr viel geholfen. Dadurch, dass ich ein sehr begeisterter Musiker bin, ich habe sehr gern, schon von Kindheit an, sehr gern gesungen. Mein groĂŸes Vorbild war die Nana Muscuri. Ich wollte so eine Sängerin werden wie die Nana Muscuri. Und habe ihre ganzen Kassetten in- und auswendig, alle Texte gewusst. Meine Mutter hat dann, weil sie sehr gut Klavier spielen konnte, hat mich dann in die Klavierstunden gebracht. Und hat gesagt, ich will nicht Klavier spielen, ich will Gesang. Dann in meiner Handelsschulzeit, als Teenager, habe ich dann einen Gesangslehrer gehabt. Und mir war das aber dann schon zu viel, Schule und Gesang. Und habe das dann aufgegeben. Tut mir heute noch leid. Alle haben gesagt, ja, du hast eine schöne Stimme. Meine Mutter hat zum Beispiel in der Hauptschule gesagt, da war so ein Theaterspiel. Und da hat die Schuldirektorin zu ihr gesagt, geben Sie das Kind in eine Leihenspielgruppe und fördern Sie das Talent. Nein, meine Mutter wollte nicht. Weil meine Mutter war Lehrerin und auf Leistung extrem getrimmt. Mein Vater war Mittelschullehrer, der ist dann in die Privatwirtschaft gegangen. Eine sehr leistungsorientierte Familie. Auch mein Bruder ist Akademiker und ich bin halt aus der Reihe getanzt. Und fĂ¼r mich natĂ¼rlich als sehbeeinträchtigter Mensch in einer leistungsorientierten Familie aufzuwachsen, ist sehr, sehr schwer. Weil du bist letztendlich doch AuĂŸenseiter. Ich habe eine kleine AuĂŸenseiterrolle gehabt. Es war immer so unterschwellig und ich habe mit meiner Mutter extreme Differenzen gehabt. Ich habe immer gesagt, sag mal, warum bist du so anders zu mir? So fremd. Was ist los? Sag es mir. Ich habe mich damals noch gar nicht gewusst und gecheckt. Das hat man mir erst beim Blindenverband gesagt, warum das so ist. Dass das aufgrund meiner Sehbeeinträchtigung ist. Also ich war wie aus allen Wolken. Ich bin damals dann nach Hause gegangen und habe gesagt, Mama, stimmt das? Hast du SchuldgefĂ¼hle? Und ich weiĂŸ, ich bin damals mit der Blindenschleife gekommen. Meine Mutter hat mich ignoriert. Die hat mich nicht einmal gekĂ¼sst. Nichts. Und dann habe ich gewusst, sie hat dann immer zu mir gesagt, das bildest du dir ein und das ist nicht so. Aber leider war es keine Einbildung. Also ich war nicht das Paradekind, das ich mir gewĂ¼nscht habe. Ich wollte immer fĂ¼r sie das Kind sein, so wie mein Bruder. Und habe halt alles gemacht. Und ich habe mich wirklich geplagt und bemĂ¼ht. Wir waren einmal in einer Konditorei in Niederösterreich. Und diese Konditorei war ein Familienbetrieb, da waren wir schon Stammkunde. Und die haben dort einen behinderten Sohn gehabt, die Schäfin. Und die hat sich mit dem so lieb befasst. Wir sind dort am Tisch gesessen, meine Mutter und mein Bruder. Und daneben sind die zwei gesessen. Und meine Mutter schaut dorthin, damals war ich noch nicht blind, damals konnte ich es noch beobachten, und sagt auf einmal, der ganze Betrieb muss arbeiten, damit der Behinderte, damit sie den Behinderten sozusagen unterstĂ¼tzen können, und damit es dem gut geht, und so weiter. Und ich schaue halt dort rĂ¼ber, und sehe also diese alte Schäfin mit ihrem Sohn, mit dem Behinderten, wie sich die mit dem liebevoll beschäftigt hat. Und ich habe mir gedacht, na wusch, wie ist denn das dann? Ich habe gewusst, ich werde einmal erblinden, das haben sie mir alle gesagt, auch meinen speziellen Augenarzt. Und ich habe mich dann so verlassen, und so verloren gefĂ¼hlt, weil ich mir gedacht habe, wenn wirklich etwas mit mir ist, was fĂ¼r eine Einstellung hat meine Familie mir gegenĂ¼ber? Nehmen die das nicht wahr? Wie kann eine Mutter das in meiner Gegenwart so sagen? Also mich hat das damals so bedrĂ¼ckt, und ich muss dazu sagen, ich konnte zu niemandem gehen. Tanten, Onkel waren nicht da, und eine Vertrauensperson, Freundin oder so, konnte ich nicht darauf anreden. Und ich habe mir gedacht, boah, wenn es mit mir mal so weit ist, was mache ich dann? Und auch immer in dem Gedanken, was mache ich, wenn meine Mutter stirbt? Ich mĂ¼sste in die Gruft gehen, oder in ein Heim, wenn ich nicht verdiene, wenn ich nicht schaue, dass ich einen Job bekomme. Und diese ganzen Gedanken sind damals in meinem Kopf herumrotiert. Was mache ich, wenn? Diese Einstellung von meiner Mutter, dieses Nicht-Wahrhaben-Wollen, war fĂ¼r mich eine Qual, weil ich habe gewusst, das sind meine Grenzen, und weiter geht es nicht mehr. Ich denke zum Beispiel an meinen Schulabschluss von der Handelsschule, EDV-PrĂ¼fung, ich habe es extern gemacht, und damals ist die Computersprache aufgekommen. Programmiersprache, damals war GW-Basic, so hat es angefangen. Und ich habe eine PrĂ¼fung gemacht, als Externist, da war dann meine Professorin und ein Externisten-PrĂ¼fungslehrer, so beim ersten Mal bin ich durchgefallen. Ja, beim zweiten Mal noch einmal. Wir haben gedacht, super, wenn ich jetzt keinen Schulabschluss habe, nimmt mich keine Firma. Dann war es so, dass sie mich beim dritten Mal, hat dann der Externisten-PrĂ¼fer gesagt, okay, drĂ¼ck mein Auge zu. Und ich habe mir gedacht, Gott sei Dank, ja, er war so nett, weil ich habe in den Computer reingeschaut, und alles ist vor mir geschwommen. Die Augen haben das nicht mitgemacht. Irgendwas, was man miterleben muss, nur weil sich Familie oder Mutter nicht eingestehen will, dass da ein sehbehinderter Mensch ist, der vielleicht mehr UnterstĂ¼tzung braucht, oder was auch immer. Ja, also, schwierig.
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